Zeit, um X endgültig Adé zu sagen: Eigene Beiträge trainieren Grok AI

Zudem bleiben blockierte Posts trotzdem sichtbar

Das soziale Netzwerk X ist seit seiner Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk immer wieder auf negative Art und Weise in die Schlagzeilen geraten. Und die neusten Änderungen der Nutzungsbedingungen sind leider nur das Sahnehäubchen auf der großen Bullshit-Torte, die auch den letzten Nutzern und Nutzerinnen Anlass geben sollten, die Plattform endgültig zu verlassen.

Wie X mitgeteilt hat, soll die bevorstehende Überarbeitung der Nutzungsbedingungen zum 15. November in Kraft treten. Damit hält man Personen, die noch bei Musks Kurznachrichtendienst unterwegs sind, gewissermaßen einen „Alles oder nichts“-Vertrag unter die Nase: Die eigenen Beiträge werden ab dem 15. November offiziell dazu verwendet werden, den X-eigenen Chatbot Grok AI sowie alle weiteren KI-Systeme, die X in Zukunft entwickeln könnte, mit Nahrung zu füttern. In den neuen Nutzungsbedingungen, denen die User zustimmen müssen, heißt es, dass X das Recht habe,


„Texte und andere Informationen, die Sie zur Verfügung stellen, zu analysieren und die Dienste anderweitig bereitzustellen, zu fördern und zu verbessern, zum Beispiel für die Verwendung und das Training unserer Modelle für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz, ob generativ oder anderer Art.“

Dies jedoch ist nicht die einzige haarsträubende Änderung, die man mit den neuesten Nutzungsbedingungen durchsetzen will. Unter Abschnitt 5 findet man den Absatz „Liquidated Damages“, der X einräumt, Geldstrafen gegen Nutzer und Nutzerinnen zu verhängen, die die Plattform zu stark nutzen. Dort heißt es:

„Der Schutz der Daten unserer Nutzer und unserer Systemressourcen ist uns wichtig. […] Sie haften uns gegenüber gesamtschuldnerisch für einen pauschalierten Schadensersatz, wenn Sie innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden mehr als 1.000.000 Beiträge (einschließlich Antwortbeiträge, Videobeiträge, Bildbeiträge und sonstige Beiträge) anfordern, anzeigen oder abrufen.“

Geldstrafen für exzessive X-Nutzung

Zwar ist es für Standard-User relativ unwahrscheinlich, auf diese Zahlen zu kommen, allerdings verlangt X bei Überschreiten dieser Zahlen eine Geldstrafe „von 15.000 Dollar für jede Million Beiträge“. Sollte man die Plattform weiterhin auf diese Art und Weise verwenden, behält sich X das Recht vor, „Unterlassungsklagen und/oder andere billigkeitsrechtliche Maßnahmen zusätzlich zum Schadensersatz“ zu ergreifen. Es ist möglich, dass X damit verhindern will, dass Konkurrenten die Plattform für KI-Scraping zu nutzen, um ihre eigenen Modelle zu trainieren. Gleichzeitig würden damit aber auch automatische Scraping-Tools von Forschenden verhindert, die zu akademischen Zwecken genutzt werden. Alex Abdo vom Knight Ligitation Institute der Columbia University äußerte sich beunruhigt über diesen Schritt (via PC Mag):



„Die Öffentlichkeit verlässt sich auf Journalisten und Forscher, um zu verstehen, ob und wie die Plattformen den öffentlichen Diskurs prägen, unsere Wahlen beeinflussen und unsere Beziehungen verzerren. Eine Auswirkung der neuen Nutzungsbedingungen von X wird sein, diese Forschung zu unterdrücken, wenn wir sie am meisten brauchen.“

Die neuen Nutzungsbedingungen enthalten auch Informationen über den kürzlich erfolgten Umzug des X-Hauptsitzes vom kalifornischen San Francisco nach Austin, Texas. Demnach finden in Zukunft alle Rechtsstreitigkeiten, in die X verwickelt ist, vor dem zuständigen texanischen Bezirksgericht oder staatlichen Gerichten in Tarrant County statt. Musk und sein X-Team haben dort bereits einige Klagen gegen Werbetreibende auf den Weg gebracht – und wie der Zufall es so will, ist dort ausgerechnet ein einziger besonders konservativer Richter, Reed O’Connor, für die Verhandlungen zuständig.

Als wäre das noch nicht genug, plant X zudem, die Funktionsweise des Blockierens von Beiträgen auf der Plattform zu ändern. Bald sollen blockierte Beiträge trotzdem weiterhin sichtbar bleiben: „Wenn Ihre Beiträge auf öffentlich gesetzt sind, können Konten, die Sie blockiert haben, diese zwar sehen, aber sie können sich nicht beteiligen (liken, antworten, neu posten, etc.).“ Laut X soll dieser Schritt eine Reaktion auf Personen sein, die die Blockierfunktion nutzen, „um schädliche oder private Informationen über diejenigen, die sie blockiert haben, zu teilen und zu verbergen“. Bislang ist es der Fall, dass blockierte User nicht in der Lage sind, einem zu folgen oder die eigenen Beiträge zu sehen. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Änderung in Kraft tritt.

Wer sich in anderen Kurznachrichtendiensten umsehen will, findet auch unseren appgefahren-Blog beispielsweise bei Mastodon, gespiegelt auch bei Bluesky, sowie bei Threads

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Kommentare 17 Antworten

    1. Unser @appgefahrenRed Account wurde just gelöscht. Der andere Account bleibt vorerst bestehen, um den Zugriff auf mögliche für uns relevante Inhalte/Tweets nicht zu verlieren.

      1. … Der andere Account bleibt vorerst bestehen, um den Zugriff auf mögliche für uns relevante Inhalte/Tweets nicht zu verlieren. ….

        Genau mein Humor …

    1. Als wäre das noch nicht genug, plant X zudem, die Funktionsweise des Blockierens von Beiträgen auf der Plattform zu ändern. Bald sollen blockierte Beiträge trotzdem weiterhin sichtbar bleiben: „Wenn Ihre Beiträge auf öffentlich gesetzt sind, können Konten, die Sie blockiert haben, diese zwar sehen, aber sie können sich nicht beteiligen (liken, antworten, neu posten, etc.).“ Laut X soll dieser Schritt eine Reaktion auf Personen sein, die die Blockierfunktion nutzen, „um schädliche oder private Informationen über diejenigen, die sie blockiert haben, zu teilen und zu verbergen“. Bislang ist es der Fall, dass blockierte User nicht in der Lage sind, einem zu folgen oder die eigenen Beiträge zu sehen.

      ———
      Wenn Postings öffentlich sind, sind sie halt öffentlich. Aber dadurch, dass ich mich angemeldet habe, kann ich jetzt ÖFFENTLICHE Postings nicht mehr sehen, wenn der Verfasser das nicht will? Dann nehme ich einfach ein privates Browserfenster, browse den Account halt so an und sehe wieder alles. Das war doch von Anfang an überhaupt kein Schutz, nur eine winzige Unannehmlichkeit für jemanden, der dort trotzdem lesen wollte.
      Dann sind diese Änderungen dahingehend jetzt also nur konsequent, logisch und richtig, weil technisch weniger affine Menschen damit im Klaren darüber sind, dass das kein Schutz ist, jemanden zu blocken. Und es unterstreicht die offensichtliche Tatsache, dass öffentliche Beiträge tatsächlich öffentlich sind, falls das noch Leuten nicht klar gewesen sein sollte.

  1. Kenne kein besseres Nachrichtenmedium als X. Nahezu Global.
    Schneller und mehr Infos als auf jedem alten Nachrichtenverlag.
    Unverzichtbar!
    Welcher Dienst soll bessere weltweite Nachrichten liefern?

    1. Ja, wenn man zu differenzieren weiß. Meines Erachtens tummeln sich auf X (und nicht nur da) zu viele Geisteskranke und Verschwörer. Nein Danke, das braucht kein vernünftiger Mensch.

  2. Alles Großmäuler.

    Da wird seit Wochen und onaten geschrieben wie mieß der Dienst X doch ist aber bleiben alle drinne. Das gilt auch für Appgefahren

    Es wird sich täglich darüber aufgeregt wie schlecht doch seit Musks Übernahme alles geworden sei, -ändern aber selbst nichts. Konsequent nichts. Weicheier. 🥳

    1. Meinen Account habe ich in der Tat noch, aber sämtliche Posts gelöscht, die es dort gab. Das muss man übrigens nicht manuell machen, da gibt es Tools. Warum ich den Account behalte? Um das eine oder andere an Beiträgen, die bspw. bei Spiegel Online zu einem Bericht oder einer Nachricht eingebettet werden, sehen zu können. Auf X selbst gehe ich gar nicht mehr und auf dem Schmachtfon ist die App nicht installiert.

      1. So handhaben wir es aktuell auch. Unser Account @appgefahrenRed ist just gelöscht worden. Über einen weiteres, nicht mehr bespieltes Konto behalten wir vorerst noch Zugriff auf mögliche Tweets/Links von anderen Publikationen aus der Tech-Welt, die für uns relevant sind.

  3. Wenn ich mal schlecht drauf bin, dann lese ich gern in der c‘t über Windows-Probleme oder in appgefahren über X. Und schon geht’s mir besser, weil ich die Probleme beider Themen nicht (mehr) habe. Zur Twitter-Zeit habe ich mir mal kurz nen Account gemacht um „mitreden“ zu können. Dann habe ich mich zweier Probleme entledigt… und kann heute über diesen Windows- und X-Quatsch nur noch schmunzeln. Es geht problemlos ohne 😜

  4. Immer diese Selbstkasteiung. Ich nutze X häufig und gerne und weiß, dass mein Weggehen keinen Einfluss hat. Zudem finde ich gut, wie sich Elon Musk dort für die Meinungsfreiheit einsetzt und eben nicht jeder Kommentar in vorauseilendem Gehorsam gelöscht wird. In einem Rechtsstaat entscheiden nunmal Gerichte, was gesagt werden darf und was nicht, und nicht Moderatoren.

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